Patagonia - jetzt geht’s erst los.

wie jeder Mensch seinen Beitrag leisten kann

Blue Monday

April 4, 2020

Patagonia investierte Millionen in die Förderung von Nachhaltigkeit in Unternehmen.
2002 rief der Gründer „1% for the planet“ ins Leben- ein Zusammenschluss von Unternehmen, die sich dazu verpflichten, ein Prozent ihres Umsatzes dem Umweltschutz zugute kommen zu lassen. 2016 setzte Patagonia noch eins drauf: Am Black Friday erhöhten sie den Anteil, der an unseren Planeten geht, von 1% auf 100%. Statt geplanten 2 Millionen USD Einnahmen, verkauften sie an diesem Tag Waren im Wert von 10 Millionen USD und spendeten also die 5-Fache Menge für unsere Umwelt.
Seit 2002 wurden mehr als 225 Millionen Dollar gesammelt.
Mittlerweile ist Yvon Chouinard, der Gründer von Patagonia, 81 Jahre alt und meint, das sei erst der Anfang. Im Interview mit der „Fast Company“ erklärt er, was ihn in dieser Welt frustriert und gleichzeitig, was ihn motiviert weiter zu machen.

Fast Company: Im Geschäft zu sein heißt gleichzeitig Umweltverschmutzer zu sein- Wie gehen Sie mit dieser Vorstellung um?

Yvon Chouinard: Alles was der Mensch kreiert, verursacht einen Schaden. Mit dem müssen wir leben. So ist das einmal. Wenn wir uns damit zufrieden geben, können wir daran arbeiten, so wenig Schaden wie möglich zu verursachen. Das ist es, was es so spannend macht. Es ist ein nie endender Gipfel. Du kletterst nur für immer. Du kommst nie an die Spitze, aber es ist die Reise.

Fast Company: Vor circa 8 Monaten hast du eine neue Mission für die Firma definiert:„Patagonia besteht, um unseren Heimatplaneten zu retten.“ Welche Auswirkung hatte das bisher?

Yvon Chouinard: Es hatte eine Auswirkung auf jeden einzelnen Mitarbeiter. Auf jeden eine andere Auswirkung aber jeder einzelne wurde zum Nachdenken angeregt. Bis 2025 sind wir frei von fossilen Brennstoffen. Wir haben in Unternehmen investiert, die synthetische Fasern anbauen, die nicht aus Erdöl sondern aus Pflanzen hergestellt werden. Wir räumen nicht nur in unseren eigenen vier Wänden auf, sondern wir überzeugen auch unsere Lieferanten, saubere Energie zu nutzen.

Fast Company: Vor zehn Jahren haben Sie begonnen, in den Lebensmittelbereich einzusteigen, Patagonia Provisions zu gründen und an der regenerativen Landwirtschaft zu arbeiten. Jetzt bringen Sie diese Regenerationsprinzipien in Ihre in Ihre Baumwolllieferkette ein. Haben Sie das immer als ultimativen Weg gesehen?

Yvon Chouinard: Das ist alles ziemlich neu. Wissenschaftler entdecken gerade, wie wichtig die Landwirtschaft für den Klimawandel ist, sowohl im negativen als auch im positiven Sinne (Umweltschützer und Unternehmer). Paul Hawken hat ein Buch veröffentlicht, in dem er 100 Dinge auflistet, die wir zur Bekämpfung des Klimawandels tun können (Drawdown). Von diesen 100 Dingen, war die Landwirtschaft das Wichtigste für uns. Wir haben uns also auf den regenerativen ökologischen Landbau konzentriert. Wir arbeiten an einer neuen Zertifizierung, die über Bio hinausgeht. Wir verwenden seit Jahren Baumwolle aus biologischem Anbau, aber das schadet nur ein bisschen weniger. Also beschlossen wir, Baumwolle regenerativ und organisch anzubauen. Wir begannen mit 150 Bauern in Indien, Kleinbauern. Wir haben sie überredet, Baumwolle mit einem Minimum an Bodenbearbeitung anzubauen. Das ist eine große Sache. Regenerative Landwirtschaft kann nicht in großem Maßstab betrieben werden. Das geht einfach nicht. Diese Leute werden ihre Käfer los, indem sie sie mit den Fingern zerquetschen. Sie zünden Lichter an, um die Insekten nachts anzulocken, und wenden dabei natürliche Methoden an. Dann verwenden sie Kichererbsen und Kurkuma, für die eine große Nachfrage besteht. Und sie verwenden Kompost. Wir zahlen ihnen zusätzliche 10%, sodass sie ihr Einkommen fast verdoppelt haben. Nächstes Jahr haben wir 580 Kleinbauern, die auf diese Weise Baumwolle anbauen.
(…)

Fast Company: Du warst dir ziemlich klar, über den Pessimismus im Bezug auf das Schicksal des Planeten, aber warst gleichzeitig fest entschlossen, es zu beheben. Ich erinnere mich, als wir uns 2017 unterhielten hast du zu diesem Thema gemeint: „Was ist die Alternative? Nur auf meinem Hintern zu sitzen?“ Was treibt dich an, dieses Thema weiterhin zu verfolgen, anstatt es nihilistisch zu betrachten?

Yvon Chouinard: Die Antwort auf ein Problem ist eine Lösung, etwas zu tun, und ich weiß genau was ich tun muss. Viele Menschen wollen etwas gegen den Klimawandel tun, wissen aber nicht, wo sie anfangen sollen. Es fehlt an Selbstbeobachtung und Vorstellungskraft. Ein Mitarbeiter unseres Stofflabors ging zu einem unserer Lieferanten in Japan und sagte: "Hey, ich sehe, Sie kaufen Ihre Energie von Kohlekraftwerken. Warum schalten Sie nicht auf Ökostrom um?" Dies ist eine riesige japanische Fabrik. Er sagte: "Daran habe ich nicht gedacht." Sie schauten hinein, wechselten zu grüner Energie und es kostete sie nur 7.000 USD mehr pro Jahr. Hier bitteschön. Der Typ hat nie darüber nachgedacht, aber es klang nach einer guten Idee. Es gibt eine Menge dieser tief hängenden Früchte.

Fast Company: Welche Rolle hat Buddhismus auf deinem Weg gespielt?

Yvon Chouinard: Es gibt verschiedene Arten, sich Zen (Zufriedenheit des Seins) zu nähern. Die eine ist es, den ganzen Tag da zu sitzen und seinen eigenen Nabel zu betrachten. Ich bin ein Fan von Action. Egal ob im Sport oder in Business, mein Zugang war immer Action.

Fast Company: Wie bleiben Sie angesichts der Nachrichten, wie dem Abbrennen des Amazonas-Regenwaldes oder den Bemühungen der derzeitigen Regierung, die Abholzung in Alaska zu eröffnen, motiviert? Ist es einfach mehr Action?

Yvon Chouinard: Ja, ist es. Wir haben einen Film gegen Offshore-Fischfarmen und Brütereien veröffentlicht- Artifishal. Dies hat insbesondere in Europa enorme Auswirkungen gehabt. Aufgrund dieses Films wurde Zuchtlachs in vielen Schulen abgeschaffen. Erst gestern hab ich gehört, dass Dänemark die Zulassung weiterer Offshore-Fischfarmen einstellen wird. Der argentinische Grillkoch Francis Mallmann hat weltweit 19 seiner Restaurants mit Lachs bewirtet. Es sind kleine Erfolge, aber diese summieren sich.

Fast Company: Das ist also das, was Sie motiviert?

Yvon Chouinard: Ja. Es ist nicht so, dass wir alle da sitzen und deprimiert sind. [lacht]
(…)

Das sagt Yvon Chouinard, der 81-jährige Gründer von Patagonia.
Patagonia ist Vorreiter in Sachen Umweltschutz! Der Gründer sagt, jetzt gehe es erst los: “Just getting started.”

erwähntes Buch: Drawdown, Paul Hawken (EN):
https://www.academia.edu/40148623/Drawdown_-_Paul_Hawken

Nähere Infos zu ihren Aktivitäten im Umweltschutz kannst du auf der Website von Patagonia lesen:
https://eu.patagonia.com/at/de/corporate-responsibility.html

Bild:
Editorial credit: Sundry Photography / Shutterstock.com


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